Zur Südspitze Afrikas


Ro/Ro-Fähre Jeddah (Saudi Arabien) - Suakin (Sudan)


© Reinhart Mazur, 2008



GOOGLE-EARTH: Stadt und Hafenbereich von Jeddah
Die Stadt und der Hafen von Jeddah (© Google Earth)



Unterkunft in Jeddah

Zunächst galt es, ein billiges Hotel in günstiger Lage, also nahe des Hafens, zu finden. Bei Einfahrt nach Djeddah aus Richtung Airport kommend wurden wir auf Anhieb fündig:

Das Al-Suhad-Plaza Hotel (Tel. 6739034) auf der östlichen Seite der King Fahad Street gelegen erwies sich als wirklich preisgünstig (120 SR, also ca. 17 EUR) und hinreichend komfortabel. Zudem hatte es einen guten Parkplatz. Die Koordinaten sind: 21° 31.497' N 39° 11.580' E

Fahrt zum Fährbüro

Ein Taxifahrer brachte uns vom Hotel für 15 Rials (statt der üblichen 5) auf Anhieb(!) zum Bürogebäude der Baaboud Shipping Co. in der al Masafi Street 176 in Hafennähe (22° 28.082'N 39°10,963' E). Das Büro liegt im 1. Stock, links, Zimmer 4.

Kosten

Ein gut Englisch sprechender Mitarbeiter von Baaboud bestätigte, dass heute, wie an fast jedem Wochentag, ein Schiff nach Suakin fährt und Fahrzeuge mitnimmt. Heute würde leider nicht die Barakat, das Flagschiff der Baaboud Shipping Co. segeln, wir sollten doch besser noch 2 Tage auf sie warten. Wir dachten nur an das eng terminierte sudanesische Visum und entschlossen uns zur sofortigen Abreise. 423 USD zahlten wir für eine Zweibettkabine 1. Klasse, die Passage des Fahrzeugs und die Hafengebühr. Dazu kamen noch 26 USD für die Zollabfertigung durch einen Mitarbeiter der Speditionsfirma im Haus gleich nebenan.

Verschiffung

Es ist wichtig, bereits um 8 Uhr morgens die Buchung zu erledigen, da das Manifest (Passagier- und Ladelisten) für das fahrplanmässig am späten Nachmittag startende Schiff um 12.00 Uhr vorliegen muß.

Ein Zollagent der Speditionsfirma begleitete uns zum Sudan Car Terminal in dem riesigen Areal des Jeddah Moslemic Port, den wir ohne ihn nur schwerlich gefunden hätten (21° 28,243'N 39° 10,372'E). Von dort wird das Fahrzeug durch spezielle Agenten dem Hafenzoll vorgeführt und aufs Schiff gefahren. Mit uns warteten lediglich 19 andere Fahrzeuge, die sich aber auf mehrere Schiffe verteilten, die ebenso nach Suakin fuhren. An Bord unseres Schiffes befanden sich schließlich nur 6 (sechs) Fahrzeuge.
Die Autos bleiben vor dem Zollbereich unverschlossen stehen, mit den Fahrzeugpapieren und dem Carnet gut sichtbar am Armaturenbrett abgelegt. Die europäische Angst, es könnte etwas gestohlen werden, scheint hier unbegründet.

Sobald sich der Helfer verabschiedet hat, sollte man sich sofort zum nahe gelegen riesigen Passenger Terminal begeben, um dort die langwierige Ausreiseprozedur zu beginnen. Immerhin warten weit mehr als 1500 Passagiere auf ihre Abfertigung! Um sich die Ausreisestempel zu beschaffen, ist ein harter Kampf gegen hunderte, die sich in Menschentrauben um die wenigen Schalter drängen, zu gewinnen!

Es erwies sich als wichtig, 'Boarding Cards' zu haben. Eine erhielten wir direkt von einem Angestellten der Baaboud Shipping Line in der Abfertigungshalle. Diese Boarding Card wurde von dem gleich daneben untergebrachten Grenzbeamten einbehalten.

Viel wichtigere benötigt man, um an Bord gehen zu können. Wir hatten keine,wurden nach langer Diskussion dann doch an Bord gelassen. Und schließlich benötigt man noch eine rote Karte, die den Nachweis der Buchung und Reservierung (!!) einer First-Klass-Kabine darstellt. Auch diese Karte hatten wir nicht und folglich war auch keine Kabine für uns reserviert und an Bord war alles ausgebucht. Schließlich erweichte sich der Kapitän und führte uns in die tiefsten Tiefen des Schiffsbauches, wo gerade noch ein Rattenloch frei war:

First Class Kabine der Al Aboud
First Class Kabine auf der Al Aboud

Hier blies ein eisiger Wind aus einer schwarzen Öffnung in der Decke, durch die man leicht hätte einen Fussball verschwinden lassen können. Die Folge war eine schwere Bronchitis, die wir erst Wochen später in Schwarzafrika langsam losgeworden sind.

Nachdem wir unsere Kabine zugeteilt erhalten hatten, konnten wir dem Treiben auf dem Kai vor dem Schiff zusehen. Neben uns standen noch zwei weitere Fährschiffe, deren Ziel angeblich ebenfalls Suakin war. Von unserem Auto, das wir am Hafengelände offen stehen lassen mussten, keine Spur. Es war schon dunkel, als es plötzlich heranrollte. Ein zunächst sehr beruhigender Anblick, der sich aber in dem Moment in panischen Schrecken verwandelte, als wir erkannten, dass der Fahrer unser Auto direkt in den Laderaum des benachbarten Schiffes fahren wollte! Gerade noch rechtzeitig gelang es, den Wagen auf das richtige Schiff zu lotsen, unsere Al Aboud. Bei diesem Seelenverkäfer handelt es sich um die 1966 für Tirrenia gebaute Caravaggio. Von der Sorte Schiff sind im Roten Meer schon einige abgesoffen, mit 1000 Passagieren an Bord! Die Fahrtgeschwindigkeit lag, mit dem GPS gemessen, bei 10 Knoten, der Kurs wurde mit ständigen Ruderkorrekturen auf beachtliche +/- 10 Grad eingehalten. Die Abfahrt erfolgte mit 7 Stunden Verspätung, es dauert ja eine kleine Weile bis 1200 Passagiere mit ihrem umfangreichen Gepäck an Bord sind. Immerhin fand die Ankunft in Suakin statt, aber erst nach 16 Stunden Fahrt.

Abfertigung in Suakin

Von den sechs aus Jeddah nach Suakin transportierten Fahrzeugen wurde nur unseres mit Carnet in den Sudan eingeführt. Wir kamen zwar schnell von Bord, aus dem Hafen aber erst viele Stunden später in tiefer Dunkelheit. Die anderen 5 Wagen von in Saudi Arabien lebenden Sudanesen hatten schon bald nach dem Entladen den Hafenbereich durch das Menschengewimmle hindurch verlassen, als wir immer noch nicht wussten, wo sich unsere Pässe und die Wagenpapiere inkl. Carnet befanden. Diese wurden uns vom Kapitän bei der Einschiffung in Jeddah abgenommen. Da so gut wie niemand Englisch sprach oder verstand, taten wir uns schwer mit den Nachforschungen. Durch Einschaltung zweier sich als Zollbeamte (ohne Uniform!) ausgebende 'Helfer', konnten wir nach Überwindung aussichtslos erscheinender Situationen endlich doch alle Papiere abgefertigt in Händen halten und uns die 50 km auf den Weg nach Port Sudan machen, um dort ein Hotel zu suchen.

Am folgenden Morgen besorgten wir das Road Permit. Afrika stand uns offen!



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